Der Vielfraß

Ich bin bereit für die heiße Schlacht am kalten Büffet,
du Froschfresser guckst mich an, fragst: „Qu’est-ce que c’est?“,
ich schubs dich beiseite, denn du stehst mir im Weg,
geb‘ dir nen Uppercut und du liegst im Sorbet.
Ich vermöbel dich so derb als wär‘ ich Cassius Clay
und hör‘ nicht auf bis an meiner Faust Cashewmuß klebt.
Ich bin ein Crack wenn’s drum geht für Essensrest einzusteh’n,
also lauf‘ besser, lauf‘! Bella Ciao und Adé!

Ja, ich grabsch mir alles was ich haben kann,
ja, schau‘ dir an was ich mir wahllos in den Magen ramm‘!
Wenn du noch einmal sagst, ich hätte einen fetten Wanst
sorg‘ ich dafür, dass du in meiner Küche bald Kartoffeln stampfst!
Also hau ab, du Hahn! Sonst bist du Lebertran!
Bei dir steht nichts und du stehst auf meinem Speiseplan,
ich rühr‘ dich ein in meinen Brei aus Amaranth.
doch zu allererst ist Spanferkel mit Apfel dran!

Ich fress‘ mich von der Nordsee bis zum Süd-Vietnam,
steh‘ beim Türken vor der Tür so wie einst Dschinghis Khan,
und dann Tzatziki, Kötbullar und Parmesan,
mit Garam Massala wie in Pakistan.
Trüffel und Pilze – ich werde zum Schamanen,
mach‘ auf der Seidenstraße Beute bei Gewürzkarawanen,
mampf‘ Bananen im Iran und im Vatikan,
ich kenne keine Fastenzeit und kein Ramadan!

Ich bin bereit für die heiße Schlacht am kalten Büffet,
du Froschfresser guckst mich an, fragst: „Qu’est-ce que c’est?“,
ich schubs dich beiseite, denn du stehst mir im Weg,
geb‘ dir ne Kopfnuss – du liegst im Brombeergelée.
Ich vermöbel dich so derb als wär‘ ich Cassius Clay
und hör‘ nicht auf bis an meiner Faust Cashewmuß klebt.
Ich bin ein Crack wenn’s drum geht für Essensrest einzusteh’n,
also lauf‘ besser, lauf‘! Bella Ciao und Adé!

Ich sauge an dem Nektar wie ein Kolibri,
nasche Gemüsesnacks mit Möhrchensticks und Kohlrabi,
lass‘ deine Finger weg, sonst hau‘ ich dich K.O., Rashid!
Reich‘ mir die Pfanne jetzt mit dem frittierten Broccoli!
Ich schlemme beste Bio-Vollmilch nur von Brodowin,
sammel‘ Kalorien, halt‘ meinen Mund unter den Brunnen aus dem Schoko fließt,
bestelle stets All I Can and All You Can Eat,
wegen mir gibt’s keine Fressgasse mehr bei Monopoly.

Im Restaurant bin ich der Typ der Pesto mampft,
und zwar in Kilo- und nicht bloß Hektogramm.
Ich steh‘ am Sektausschank und sauf‘ mich restlos stramm,
ihr Bouletten geht zu Mägges und fresst bloß Junk.
Ich genieße meine Tage wie ein Sultan,
und wenn ich platze vor Glück, bin ich gern Schuld daran.
Du Lauch lachst mich aus, weil ich nicht kochen kann?
Dafür hast du beim Sex noch immer deine Socken an.

Ich bin bereit für die heiße Schlacht am kalten Büffet,
du Froschfresser guckst mich an, fragst: „Qu’est-ce que c’est?“,
ich schubs dich beiseite, denn du stehst mir im Weg,
geb‘ dir nen Leberhaken – du liegst im Seelachsfilet.
Ich vermöbel dich so derb als wär‘ ich Cassius Clay
und hör‘ nicht auf bis an meinen Faust Cashewmuß klebt.
Ich bin ein Crack wenn’s drum geht für Essensrest einzusteh’n,
also lauf‘ besser, lauf‘! Bella Ciao und Adé!

Eine Begegnung

Auf dem Fensterbrett verstauben wieder
leere Flaschen Gin,
und verbreiten im Raum so ’ne Art
vertrautes Parfüm.
Heute peitscht er mit dem Gürtel,
morgen vergewaltigt er dich.
Die Menschen kannst du nicht ändern,
aber sie verändern dich.

Kalte Asche,
fahles staubiges Licht,
wo selbst die helle Sonne
nur trüb durch bemalte Fensterscheiben bricht.
Blaue Flecken überall,
du erwartest schon
Willkür und Ohnmacht
und die Schnur vom Telefon.

Dass du an allem Schuld trägst,
ist für dich bereits normal,
dir weißt es grad nur nicht ein,
für was genau eigentlich nochmal?
Doch frag‘ nicht, sag‘ nichts,
lebe in Scham!
…und nachts pultst du an deiner Kopfhaut,
denn das Blut ist so schön warm.

Die Kinder in deiner Schule
gucken dich schon so komisch an,
du bist ein Außenseiter
selbst am äußersten Rand der Außenbahn,
du bist eine Ansammlung groteskester
Überlebensstrategien,
und in Chemie erzählst du’s dann Marie,
die sagt: „Mein Papa macht sowas nie.“

…Jahre später
entdeckst du Simone de Beauvoir
im Traumland der Drogen
bei deinem Bogenflug auf Gras
doch immer beißt du in den Boden,
denn: kommt ein Mann über dich
– du hilfloses Kind! –
dann turnt es dich an, wenn er dich erniedrigt,
bespuckt, beschmutzt, beschimpft.

Draußen: kalter Regen,
drinnen: warmes Licht,
Tee und Fichtennadelduft
– so finde ich dich.
Deine Wohnung ist still,
doch in deinen Augen sitzt ein Schrei,
und dein kleines Begehren
ist schon zu groß für uns zwei.