Ein „Geheimnisvolles Konzert“ in Brandenburg an der Havel

Wie alles begann.

Da ich das Geld brauchte, spielte ich auch. Ansonsten hätte ich aus Gründen der Eitelkeit meine Sachen gepackt und wäre zurückgefahren. Ein Gedanke, der spätestens dann auftrat, als im Raum direkt neben der Bühne Gläser lautstark aneinanderklatschten, Dartpfeile umjubelt an die Scheibe flogen und die elektronische Spielmaschine quitschende analoge Jingles absonderte, wenn es einen Punktetreffer gab.

Eine Raucherkneipe. Ich hatte die Tür geöffnet, an der eine Tafel hing, auf welcher mit verwischter Kreide „Geheimnisvolles Konzert“ geschrieben stand. Ich trat ein. Als erstes taumelte mir ein schlimm besoffener Fratzke vom Tresen entgegen, und ich fürchtete bereits, dass dies der Tontechniker sein sollte, denn er hantierte irgendwas an den Boxen herum. Glück im Unglück: er war nicht der Tontechniker, es gab nämlich gar keinen. Aber es gab ein Mischpültchen und zwei zerschlabberte Boxen.

Die bisher recht leere Kneipe füllte sich allmählich. Einige kamen tatsächlich aufgrund des Konzertes. Andere zum Skatspielen. Wie sich herausstellte, ist die Agentenzentrale so etwas wie das „Wohnzimmer“ für diejenigen Brandenburger, die ein bisschen weiter links gepolt sind als der Rest, der sich in braunen Kaschemmen besäuft (was einen ansonsten sympathischen Mann nicht davon abhielt, später über das „migrantenverseuchte“ Berlin zu fluchen).

Während ich verzweifelt feststellte, dass der Sound der Anlage Käse ist (oder ich kein Tontechniker bin), erschien neben mir eine dünne ätherische Frau in einem gemusterten Wolljäckchen. „Geheimnisvolles Konzert“ klänge ja so interessant – ob sie wohl hier bleiben solle? Ihre Intuition sei ja aber heute so versperrt, möglicherweise gehe sie also doch ins Kino…Ich dachte an meine Setlist und konnte ihr Hoffnung machen, dass sich mein Konzert für sie lohne. Sie entschloss sich zu bleiben.

Was dann geschah.

Kurz bevor es los ging, überflutete mich endlich die Aufregung. Ich hüpfte und jodelte vor der Toilette herum, wo ich einen alten mysteriösen Maler traf. Aber in Brandenburg sind alle immer besoffen, da werden die schönsten Gespräche nach zehn Sekunden sinnlos.

Der Laden war rappelvoll. Aber als ich loslegen wollte, schien das nicht allzu interessant für den Großteil. Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass meine Eröffnung aus dem gemeinsamen Hören eines Klangstückes und dem Vortrag eines der tiefsten Gedichte in deutscher Sprache bestand. Die Leute unterhielten sich, gröhlten, klimperten, spielten Dart und Skat. Für mich war es enorm schwierig eine Spannung aufzubauen und überhaupt dran zu bleiben. Ich gab mich dennoch ziemlich rein, und obwohl die Performances echt gut liefen, kam vom Publikum kaum etwas zurück

Schon beim ersten Gedicht musste ich um Ruhe bitten, was sich aber als nutzlos erwies, denn von denen, die lärmten, hörte mir ja keiner zu.  Aber eigentlich ist der Kontrast doch echt witzig: Hochkulturlyrik in einer alkverschwitzten Raucherkneipe in Brandenburg an der Havel.

Ich spielte auch den „Vielfraß“, doch selbst den nahm man nur müde zur Kenntnis. Letztendlich akzeptierte ich die Situation wie sie war, nämlich hochprozentig hoffnungslos, und konzentrierte mich total auf die etwa 10-12 Leute, die im Kneipenlärm bei mir blieben.

Denen machte ich es aber auch nicht leicht, denn sie hörten, im Anschluss an eine Poetry-Performance während der ich mir heftigst ins Gesicht schlug, nun ein bizarres Stück, „Sehr fern„, welches zudem unter dem unheilbaren Bassgedröhn der Anlage litt.

Johnny Cash? John Cage!

Wir waren nun im absurden Teil des Abends angelangt: ich stellte ihnen John Cage vor.

– „Hat jemand von euch schon mal was von John Cage gehört?“ – Stille (mit etwas akademischem Humor könnte man sagen: das ist die richtige Antwort).
– „Johnny Cash kenn‘ wa‘!“ rief eine Frau.

Naja, so ähnlich, dachte ich mir. Und erzählte den entgeisterten Gesichtern, wie John Cage in einem seiner letzten Interviews am offenen Fenster sitzend den Sound des Straßenlärmes preist, wohingegen er Beethoven als langweilig, weil vorhersehbar bezeichnet. Wie meine Mitbewohnerin Sarah mir soeben klarmachte, war das, was ich jetzt tat, purer Punk: in dieser Kneipe 4’33“ aufführen.

Ein paar ließen sich sogar darauf ein, viele hatten Fragezeichen im Kopf; sogar die Dart- und Skatspieler hielten kurze Zeit verwundert inne. Manche hörten wenigstens für einige Sekunden in die Geräuschkulisse hinein. Anschließend lud ich ein, Erfahrungen auszutauschen. Ein besoffener Jongleur setzte sich zu mir auf die Bühne und redete dann Sachen, die ich nicht verstand.

Aber das ging ihm andersrum die ganze Zeit wohl auch so.

Und er sah, dass es gut war.

Zum Abschluss las ich meinen „Was ist Liebe?„-Text, der die aufmerksamen Menschen stark berührte. Das zumindest entnahm ich dem andächtigen Nicken. Und den Einzelgesprächen, die sich nach Konzertende ergaben. Ein Gruppengespräch entwickelte sich über dieses intime Thema in diesem Kneipensetting leider nicht.

Die ätherische Frau schlich nach Konzertende zu mir und erzählte mit ungarischem Akzent von ihren Gedanken zur Liebe und ihren aktuellen Lebensfragen. Ihre Herzlichkeit, Wärme, Dankbarkeit, Unsicherheit berührten mich und ich schenkte ihr den Text. Sie freute sich, dass sie zum Konzert geblieben war und verschwand nach einer Umarmung.

Auch mit anderen gab es später etwas Austausch, bei einer Brokkolipizza, die man mir bestellte, und die ich jetzt am Tisch teilte.

Nachdem ich durch die leere, stille und nur von einigen Suffnazis durchbrochene Brandenburger Havelnacht auf meinen Regio rannte, und nun nach Kneipenqualm stinkend im ebenfalls leern und stillen Abteil saß, dachte ich: Es wäre leicht, über diesen Abend frustriert zu sein. Doch wenn man etwas ändern will, muss man genau an diese Orte gehen, und dort wenigstens ein paar Fragezeichen hinterlassen.

Was ist Liebe?

Gedanken, aus dem Moment gegriffen. Ein Impuls, kein Statement.

Liebe – das sind nicht die glühenden Gefühle der Verliebtheit, die plötzlich da sind und alles Innere zum Sprudeln bringen. Liebe – das ist nicht das Idealisieren des Partners, das ist nicht die Schwärmerei, das sind nicht die Schmetterlinge im Bauch.

Nicht, dass diese Gefühlszustände belanglos wären. Sie sind im Gegenteil so überwältigend schön, dass man am besten lernt, wie man sie immer wieder erzeugt, und dann im geistigen Nebelrausch kindisch bizarre Dinge tut, die sich durch nichts erklären lassen, als durch den schönsten Kontrollverlust, den es im Universum zu erleben gibt.

Aber dieser Rausch, das ist nicht die Liebe.

Er hilft uns vielleicht, dass wir dieser seltsamen Idee nachgehen, und unser Leben, unsere Macken, Phantasien, Verschrobenheiten und unser durch und durch unideales Wesen einem anderen durch und durch unidealen Wesen anvertrauen, in der irrwitzigen Hoffnung, dadurch würde endlich einiges besser. Aber bestenfalls fühlt man sich weniger einsam, für unbestimmte Zeit.

Doch bald, wenn der frische Frühlingsflug auf Wolke 7 in einen wüsten Herbststurm übergeht, die Blättter fallen, die Äste knirschen, die Temperaturen stürzen, und die Verkeilungen beginnen, kann auch erst das beginnen, was man Liebe nennt. Oder man trennt sich. Wahrscheinlich ist es dieser Augenblick, in dem man entscheidet: Ja, ich will mit deinen Dunkelheiten leben müssen; oder nein: daran werde ich zugrunde gehen.

Es ist wohl auch der Augenblick, in dem man sich eingesteht, Bedürfnisse zu haben, von denen man gar nicht sagen kann, wie der andere sie eigentlich erfüllen soll, – man weiß bisher nur, dass er es nicht tut, und dass einen selbst das sehr verletzt – und man nun bereit ist, diesem Geheimnis gemeinsam auf die Spur zu kommen.

Oder: es überwiegt der Zweifel, dass der Partner darauf überhaupt neugierig ist.

Wir sind keine Puzzleteilchen, die einzeln im Universum herumschwirren, und sich während ihrer Single-Phasen ein paar Ecken und Kanten zurechtschleifen, nur damit man beim nächsten Mal gleich perfekt zueinander passt (zu wem eigentlich?). Gerade die Prozesse einer Begegnung, in denen das Knirschen am lautesten ist, in denen die Schmerzen ein Gesicht, die Ängste einen Körper, die Begehren eine Geste bekommen: sie machen eine Beziehung doch überhaupt erst aus. Diese Prozesse sind nicht Möglichkeiten einer Beziehung, sondern ihre konkrete Eigenschaft.

Die Entscheidung, dem Partner etwas zu geben, ohne Verlangen, dass er dieses Geben auf eine bestimmte Art beantwortet, z.B. indem er zurückgibt, lächelt, sich bedankt oder bei einem bleibt: diese Entscheidung ist Liebe.

(Nicht zu verwechseln mit der Sklaverei in einer Abhängigkeitsbeziehung; nicht zu verwechseln mit scheinbar selbstloser Aufopferung, die irgendwann erst zum stummen, dann zum lauten Vorwurf wird.)

Liebe ist, wenn du spürst, dass dein Partner dich verlassen will, und du ihm, ohne deinen Schmerz zu verleugnen, bei diesem Entwicklungsschritt hilfst.

Wer zweifelt noch?

Wer zweifelt noch
an den Entscheidungen im sogenannten >Städtebau<,
bei denen’s nur darum geht,
dass du noch mehr kaufst?
Wer zweifelt noch?
Es ist gar nicht so lange her
da war hier Brachland
und mein Herz schlug höher.

Ey, kann mir einer helfen?
Ich steh‘ mega auf’m Schlauch,
ich dacht‘ ich wär‘ gut orientiert
und kenn‘ mich aus,
doch – verrückt!
Ich weiß gar nicht mehr wo ich bin…
alles vollgebaut mit
Büroklumpen, Burger King, Finanzkathedralen und H&M.

Oder kennt einer die Landsberger Allee,
Alte Schweineschlachterei?
Ein Riesenareal steht dort zur zur Neubebauung frei!
Urban Gardening schlägt vor ein Bürgerverein.
Doch wer macht das Rennen?
Das RING-Center 3.

Wer zweifelt noch?
Früher traf man sich immer
an der Weltzeituhr,
heute verwirren einen
die ganzen Geschäfte dort nur.
Wer zweifelt noch?
Was soll’n uns’re Kinder später denken,
was uns heute wichtig war,
sollen die aufwachsen
in einer Shopping Mall?

Egal wohin ich fahr‘,
ich seh‘ nur Bagger und Gerüste
und Plakate dubioser Baufirmen
und ich wüsste gerne, weshalb
knallt man in ein Ballungsgebiet
noch mehr Metallstangen?
Damit die Miete steigt
und die Elite einzieht?

Ich dreh‘ echt am Rad,
es tut mir richtig weh –
Großstadt ist eben nicht das Gegenteil
von Heimat und Identität!
Ich bin besessen davon,
dass eine Vielfalt fremder Völker meine Stadt ziert,
doch was ist passiert?
Wenn‘ ich spazier‘
find‘ ich mich umzingelt
von den fiesen Fratzen furioser Raffgier.

Wer zweifelt noch?
Wo’s am Bülowbogen früher nach Kacke stank
steht heut ein Leonardo-Hotel
und ne Commerzbank.

Egal, wohin ich in den Urlaub fahr‘,
die Städte gleichen sich auf’s Haar
– na wunderbar!

Wir können nicht den ganzen Tag nur rumhocken, abkotzen,
über den Verkäufer von der MOTZ motzen,
doch zuhaus‘ den letzten Rotz glotzen,
schmarotzen
und trotzdem einen auf dicke Hose rumprotzen.
Ich denk‘ wir sollten lieber wieder ranklotzen,

unsre Hände, unser Herz,
unser Hirn nutzen,
den Schmutz den Grauen Herrn
von der Stirn putzen,
unsre Eltern, unsre Freunde
verwirrn und verdutzen.
Und hält dich einer an und stutzt,
was sagst du dann?…
„Die Freiheit nutzt sich ab,
wenn du sie nicht nutzt.“

sinnlos, weil leer

Die Tage drehen sich im Kreis,
wehrlos wabert die Zeit
in ihrer Kreisesmitte,
kein Verlangen,
keine Schritte,
kein Augenblick der ewig weilt,
und dachtest es wäre so schön endlich allein zu sein,
kein Sonnenschein und kein Gewitter,
kein Sonnenschein und kein Gewitter…
weit und breit.

Du wirkst noch ziemlich verpeilt,
weißt grad‘ nicht ob du’s noch weißt:
Was hat dich da geritten?
Habt ihr wirklich laut gestritten?
Oder kroch der Zorn ganz leis‘
und kochte über und kratzte, bis alles kalt und kreidebleich,
das Wort von ihren Lippen?
Kein Wort von ihren Lippen!
Kein Hauch von ihren Lippen
und kein Schrei.

Gedanken ziehen ohne Schweif
an dir wie leblose Fäden vorbei
und binden die Eindrücke
fest zu einer Gedächtnislücke.
Was jagte dir durchs Bein?
Was verscharrte dann die Trümmer nachts im weiten Wald?
Die Trümmer deiner Brücke!
Einst trug sie tausend Tritte,
einmal nur tausend Tritte,
einst als Teil…

Schlachtfeld der Liebe

An den Säbeln klebt noch Blut,
alle Kleider sind zerfetzt,
wir liegen weinend in der Ecke,
frustriert und schwer verletzt.
Warum haben wir begonnen,
niemand kann sich mehr erinnern,
niemand hat gewonnen,
doch das Gebäude liegt in Trümmern.

In den Hirnen webt ein Gift
sein feines unsichtbares Netz
und wie unbesorgte Fliegen
sind wir frisch hinein gehetzt.
Wie können wir verdrängen,
dass nur Liebe kann uns heilen,
wenn wir in den Seilen hängen,
durchbohrt von Amor’s Pfeilen.

Aus den Augen blitzt die Wut,
eine Seuche wie die Pest,
die sich nun bei Neuberührung
in ein fremdes Wesen ätzt.
Wir haben uns aufgegeben,
nein: wir zerspalteten das „Wir“
mit den Äxten uns’rer Seelen.
Nur der Hass hat triumphiert.

Der Sommer ist vorbei

Der Sommer ist vorbei,
ich starre Luftschlösser ans Fenster,
Regentropfen segeln leis‘
und zeichnen Gespenster
auf die Leinwand des Asphalts
und über Pfützen schwebt ein Wald
aus feuchten Fäden,
so wie deine Tränen
nach dem Knall.

Der Sommer ist vorbei,
ich kratze Fragezeichen ins Fenster
hinter die Wut, das Selbstmitleid
und hinter die Ängste.
Und wenn ich über den Hermannplatz flanier‘
und mich frag‘: „Wie konnte das passier’n?“
ist der Weg zu deiner Haustür
nicht mehr weit,
ist der Weg zu einer Antwort
noch sehr weit.

Hast du mit mir Geduld
oder bist du zu zerrissen?
Mich erdrückt ein Berg aus Schuld
wenn ich dich mal nicht vermisse.
Und wenn die Freiheit in mir sagt:
„Lass‘ sie los und gib‘ ihr nach!“
wär‘ ich gern so stark
doch es bleibt das schlechte Gewissen.

Der Sommer ist vorbei,
es klatschen Alpträume ans Fenster
von einem Sturm, der Bilder peitscht
die ich längst verdrängt hab.
Er zeigt die Bisswunde alter Zeit,
die Entzündung die nie heilt,
oh, bitte glaub‘ mir eins:
Es tut mir leid.

Es tut mir leid…

Auenwald, am 18.5.2018

Hinter Wiesen und Gärtchen,
fernab vom Insektengesurr,
dort wo das natürliche Märchen
sich ausspricht, das in mir wohnt,
sitz‘ ich auf einem Steine,
leg‘ mir ein Bein auf’s Beine,
zupf‘ an meinen Barthärchen
und frag‘ mich, ob es sich lohnt,

jemals zurückzukehren
ins Getöse am Hauptbahnhof,
wo der mit Ängsten, die sich vermehren,
bepackte und anthropophob
geword’ne Mensch unter Seinesgleichen,
sich als anteilnahmsloses Teilchen
für postmoderne Chimären
verirrt, verknotet und tobt.

Doch was sitz‘ ich allein zwischen Bäumen,
wo es mich noch mächtiger quält,
dass die Pfade zu meinen Träumen
neben mir kein anderer wählt?
Adieu – ihr natürlichen Märchen!
– und vorbei an den Wiesen und Gärtchen
geht’s zurück in die Welt hinter Zäunen,
wo ich lern‘ was wirklich zählt.

Ob es sich lohnt
zu lernen, was wirklich zählt?

Kaffeelied

Ich finde Kaffee
ist die beste Waffe,
um in den Tag zu starten.
Ob aus ner Tasse
oder Karaffe:
ich kann es kaum erwarten
mir dies holde Schwarzgebräu
in den Schlund zu gießen!
Kaffee
ist erste Klasse,
denn er bringt mich zum Sprießen.

Eine gute Morgenroutine
und aus meiner finst’ren Miene
wird ein Sonnenaufgang.
Ei mit Aubergine,
Obstsalat mit Mandarine,
Müsli mit Ronsine?
Alles schön und gut,
nur mir dauert das zu lang.
Auf meinem Frühstückstisch
steht ein magisches Gemisch
und mit dem ersten Schluck
sind alle Sorgen
weggewischt.

Deshalb find ich Kaffee
ist die beste Waffe,
um in den Tag zu starten.
Ob aus ner Tasse
oder Karaffe:
ich kann es kaum erwarten
mir dies holde Schwarzgebräu
in den Schlund zu gießen!
Kaffee
ist erste Klasse,
denn er bringt mich zum Sprießen.

Sollte einst in fernen Zeiten
die Welt aus den Fugen gleiten
und gestoppt wird der Kaffeeimport,
will ich mich nicht länger streiten
mit weitren Einzelheiten,
ich fackel nicht lang
und begehe Selbstmord.
Und mein bescheid’ner Grabesstein,
an dem ihr dürft alle fleißig weinen,
soll eine riesengroße
Kaffeebohne sein.

Auf der eingraviert geschrieben steht:
Ich finde Kaffee
ist die beste Waffe,
um in den Tag zu starten.
Aus der Karaffe
fließt er in die Tasse
und ich kann es kaum erwarten
mir dies holde Schwarzgebräu
in den Schlund zu gießen!
Kaffee
ist erste Klasse,
denn er bringt mich zum Sprießen.

Hier kommt der Sommer!

Mein Wecker klingelt
und ich denk‘ er wär‘ ein Sprungbrett,
ich steh‘ senkrecht im Bett,
bin geflasht und denk‘ mir: leck‘ mich fett!
Was ist das für ein fresher Start in den Tag?
Wär‘ immer so ein Wetter,
wär‘ ich schon längst ein Megastar.

Ich schau‘ in den Spiegel und entscheid‘:
heute trag‘ ich nichts!
Denn die liebe Sonne strahlt heut‘
nicht nur in mein Gesicht.
Im Adamskostüm geh‘ ich raus,
der Wind weht mir durch’s Fell
und die ganze Welt
erscheint mir wie frisch aus dem Ei gepellt.

Ich lauf‘ den Asphalt runter,
keine Ahnung wo ich hingeh‘,
vielleicht latsch‘ ich schonmal los
zum Reggae Summer an den Chimsee,
hab‘ Groove in der Hüfte und wackel mit den Knien,
denn in mei’m Personalausweis steht: Dancing Queen!

Ihr könnt mir glauben, dass ich mich noch nie so frei gefühlt hab‘,
ich bin ein Gute-Laune-Röhrenamp mit 20.000 Megawatt,
wer Bock hat, kann sich gern dazugesell’n,
ich schwör‘ bei meiner Mutter:
das wird die beste Band der Welt!

Ey, worauf wartest du? Junge, komm‘ ma‘!
Hier kommt der Sommer!
Hockst du noch am Fenster und guckst raus wie deine Omma?
No way!
Hier kommt der Sommer!

Schau‘ wie es in die Höhe schießt: das Thermometer!
Ich stolzier‘ wie Freddy Mercury’s Stellvertreter
zum Tempelhofer Feld, wo tausend Inlineskater
kunstvoll Pirouetten dreh’n und Adam und Eva
mit Glubschaugen staunen wie Gottesanbeter
und im Hintergrund tönt Live-Musik von Vuvuzelas,
Kastagnetten, Tambourin: so hebet die Gläser!
Die Hormone oszillieren wie ein Zappelpeter.

Eine hübsche Spanierin – eyy Seniorita,
für deine Liebestdiensta bin ich der Höchstbieta,
komm‘ mit mir Aphrodita in die Samariter
und wir genießen bei Margherita das Dolce Vita.
Wir schießen uns’re Liebesvibes quer durch den Äther,
die Spießer nebenan fragen: „Geht das auch diskreter?“
Doch bei 32° bin ich kein Smooth Operator,
ich denk‘ mir: Mannometer, Viva la Wetter!

Ey, worauf wartest du? Junge, komm‘ ma‘!
Hier kommt der Sommer!

Der Vielfraß

Ich bin bereit für die heiße Schlacht am kalten Büffet,
du Froschfresser guckst mich an, fragst: „Qu’est-ce que c’est?“,
ich schubs dich beiseite, denn du stehst mir im Weg,
geb‘ dir nen Uppercut und du liegst im Sorbet.
Ich vermöbel dich so derb als wär‘ ich Cassius Clay
und hör‘ nicht auf bis an meiner Faust Cashewmuß klebt.
Ich bin ein Crack wenn’s drum geht für Essensrest einzusteh’n,
also lauf‘ besser, lauf‘! Bella Ciao und Adé!

Ja, ich grabsch mir alles was ich haben kann,
ja, schau‘ dir an was ich mir wahllos in den Magen ramm‘!
Wenn du noch einmal sagst, ich hätte einen fetten Wanst
sorg‘ ich dafür, dass du in meiner Küche bald Kartoffeln stampfst!
Also hau ab, du Hahn! Sonst bist du Lebertran!
Bei dir steht nichts und du stehst auf meinem Speiseplan,
ich rühr‘ dich ein in meinen Brei aus Amaranth.
doch zu allererst ist Spanferkel mit Apfel dran!

Ich fress‘ mich von der Nordsee bis zum Süd-Vietnam,
steh‘ beim Türken vor der Tür so wie einst Dschinghis Khan,
und dann Tzatziki, Kötbullar und Parmesan,
mit Garam Massala wie in Pakistan.
Trüffel und Pilze – ich werde zum Schamanen,
mach‘ auf der Seidenstraße Beute bei Gewürzkarawanen,
mampf‘ Bananen im Iran und im Vatikan,
ich kenne keine Fastenzeit und kein Ramadan!

Ich bin bereit für die heiße Schlacht am kalten Büffet,
du Froschfresser guckst mich an, fragst: „Qu’est-ce que c’est?“,
ich schubs dich beiseite, denn du stehst mir im Weg,
geb‘ dir ne Kopfnuss – du liegst im Brombeergelée.
Ich vermöbel dich so derb als wär‘ ich Cassius Clay
und hör‘ nicht auf bis an meiner Faust Cashewmuß klebt.
Ich bin ein Crack wenn’s drum geht für Essensrest einzusteh’n,
also lauf‘ besser, lauf‘! Bella Ciao und Adé!

Ich sauge an dem Nektar wie ein Kolibri,
nasche Gemüsesnacks mit Möhrchensticks und Kohlrabi,
lass‘ deine Finger weg, sonst hau‘ ich dich K.O., Rashid!
Reich‘ mir die Pfanne jetzt mit dem frittierten Broccoli!
Ich schlemme beste Bio-Vollmilch nur von Brodowin,
sammel‘ Kalorien, halt‘ meinen Mund unter den Brunnen aus dem Schoko fließt,
bestelle stets All I Can and All You Can Eat,
wegen mir gibt’s keine Fressgasse mehr bei Monopoly.

Im Restaurant bin ich der Typ der Pesto mampft,
und zwar in Kilo- und nicht bloß Hektogramm.
Ich steh‘ am Sektausschank und sauf‘ mich restlos stramm,
ihr Bouletten geht zu Mägges und fresst bloß Junk.
Ich genieße meine Tage wie ein Sultan,
und wenn ich platze vor Glück, bin ich gern Schuld daran.
Du Lauch lachst mich aus, weil ich nicht kochen kann?
Dafür hast du beim Sex noch immer deine Socken an.

Ich bin bereit für die heiße Schlacht am kalten Büffet,
du Froschfresser guckst mich an, fragst: „Qu’est-ce que c’est?“,
ich schubs dich beiseite, denn du stehst mir im Weg,
geb‘ dir nen Leberhaken – du liegst im Seelachsfilet.
Ich vermöbel dich so derb als wär‘ ich Cassius Clay
und hör‘ nicht auf bis an meinen Faust Cashewmuß klebt.
Ich bin ein Crack wenn’s drum geht für Essensrest einzusteh’n,
also lauf‘ besser, lauf‘! Bella Ciao und Adé!